Recruiting ist tot: Willkommen im Zeitalter des Talentmarketings 

  • 29. Mai 2024
  • admin
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In den letzten Jahren gab es eine bemerkenswerte Veränderung im Bereich der Personalbeschaffung. Was einst ein rein administrativer Prozess war, hat sich zu einer hochdynamischen und strategischen Disziplin entwickelt. Recruiter müssen dabei immer mehr zu Marketing-Managern werden.  Warum ist das so?  

Der Kampf um Talente ist härter als je zuvor 

In einer Welt, in der qualifizierte Fachkräfte rar sind, hat sich der Arbeitsmarkt in einen Bewerbermarkt verwandelt. Unternehmen konkurrieren nicht mehr nur um Kunden, sondern auch um die besten Talente. Diese Talente wissen um ihren Wert und haben hohe Erwartungen an potenzielle Arbeitgeber. 

Ein wesentlicher Aspekt dabei ist, dass viele potenzielle Bewerber nur indirekt auf Jobsuche sind. Sie sind vielleicht mit ihrer aktuellen Situation unzufrieden, haben aber den Schritt zur aktiven Jobsuche noch nicht unternommen. Diese passive Haltung stellt für Unternehmen eine Herausforderung dar, erfordert aber auch kreative Ansätze, um das Interesse dieser Talente zu wecken. Hier kommt die Bedeutung einer starken Arbeitgebermarke und gezielter Ansprache ins Spiel. 

Die neue Generation von Bewerbern, insbesondere die Millennials und die Generation Z, unterscheiden sich deutlich von früheren Generationen. Sie sind keine suchende, sondern eine findende Gesellschaft. Sie erwarten, dass ihnen relevante Jobangebote auf eine Weise präsentiert werden, die zu ihrem Lebensstil und ihren Erwartungen passt. Dies bedeutet, dass Unternehmen proaktiver und kreativer sein müssen, um diese Zielgruppe zu erreichen. Es reicht nicht mehr aus, einfach eine Stellenanzeige zu schalten und auf Bewerbungen zu warten. Stattdessen müssen Unternehmen aktiv auf Kandidaten zugehen und ihnen zeigen, warum sie ein attraktiver Arbeitgeber sind. 

Darüber hinaus legen jüngere Generationen großen Wert auf Arbeitsbedingungen, die mit ihren persönlichen Werten und Lebensstilen übereinstimmen. Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice-Möglichkeiten, eine ausgeprägte Unternehmenskultur und die Sinnhaftigkeit der Arbeit spielen eine entscheidende Rolle. Unternehmen müssen diese Aspekte in ihrer Kommunikation hervorheben, um Talente anzuziehen. 

Kandidaten sind die neuen Kunden 

Im modernen Recruiting geht es nicht mehr nur darum, Lebensläufe zu sammeln und Vorstellungsgespräche zu führen. Es geht darum, Kandidaten wie Kunden zu betrachten. Der gesamte Bewerbungsprozess muss so gestaltet sein, dass er eine positive Erfahrung bietet. Ein schneller und transparenter Prozess, regelmäßige Updates und ein wertschätzender Umgang sind heute unerlässlich. 

Ähnlich wie E-Commerce-Kunden verhalten sich Bewerber im Bewerbungsprozess. In der Candidate Journey durchlaufen sie verschiedene Phasen, bevor sie eine Entscheidung treffen. Der Bewerbungsprozess muss daher genauso betrachtet werden wie der Kaufprozess eines Online-Kunden. Für eine positive Candidate Experience muss jede Interaktion, jede Information und jede Phase des Prozesses sorgfältig gestaltet werden, um das Interesse des Bewerbers zu halten und ihn zur nächsten Stufe zu bewegen. 

Ähnlich wie Online-Kunden, haben Bewerber oft eine geringe Geduld und eine kurze Aufmerksamkeitsspanne, Wenn der Bewerbungsprozess zu kompliziert oder langwierig ist, besteht die Gefahr, dass sie abspringen und sich anderweitig umsehen. Daher ist es wichtig, den Bewerbungsprozess so einfach und reibungslos wie möglich zu gestalten. Dazu gehören eine benutzerfreundliche Bewerbungsplattform, klare Anweisungen und schnelle Rückmeldungen. 

Active Sourcing und Social Recruiting als proaktive Strategie 

Im traditionellen Recruiting veröffentlichen Unternehmen Jobangebote über Jobbörsen, Business-Netzwerke und ihrer eigenen Webseite und warten darauf, dass Bewerber auf ihre Stellenanzeigen reagieren. Beim Active Sourcing hingegen gehen Recruiter proaktiv auf potenzielle Kandidaten zu, auch wenn diese nicht aktiv auf Jobsuche sind. Diese Methode erfordert eine gezielte Ansprache, ähnlich wie im Kundenbeziehungsmanagement im Marketing. 

Social Recruiting nutzt soziale Medien, um mit potenziellen Kandidaten in Kontakt zu treten. Es geht darum, dort präsent zu sein, wo sich die Zielgruppe ohnehin aufhält. Viele Bewerber denken darüber nach, den Job zu wechseln, sind aber nicht aktiv auf Jobsuche. Diese passiven Kandidaten sind offen für neue Möglichkeiten, wenn sie interessant genug sind. Social Media bietet die ideale Plattform, um diese passiven Kandidaten zu erreichen und ihr Interesse zu wecken, indem sie regelmäßig mit attraktiven Inhalten und spannenden Einblicken in das Unternehmen angesprochen werden. Dies erfordert eine starke Präsenz auf Plattformen wie LinkedIn, TikTok, Facebook, Instagram, etc. 

Datengetriebenes Recruiting 

Genauso wie im Marketing spielen auch im Recruiting Daten eine zentrale Rolle. Datenanalysen helfen dabei, die besten Kanäle und Methoden zur Ansprache von Talenten zu identifizieren und den Erfolg von Recruiting-Kampagnen zu messen, um vor allem die Kosten pro Bewerber besser zuordnen zu können. Oder wissen Sie schon, wie hoch die Kosten pro Bewerber sind bzw. je Einstellung? 

Ein wesentlicher Aspekt ist das Tracking, das im Recruiting ebenso wichtig ist wie im E-Commerce. So wie Performance-Anzeigen im E-Commerce getrackt werden, um die Konversionsrate und Kostenfaktoren zu optimieren, werden auch Recruiting-Anzeigen analysiert, um die besten Ergebnisse zu erzielen. 

Der typische E-Commerce Funnel beginnt mit der Bewusstseinsphase, gefolgt von der Erwägungsphase und schließlich der Konversionsphase. Im Recruiting ist es ähnlich: Zuerst wird die Aufmerksamkeit potenzieller Kandidaten geweckt, dann werden sie über verschiedene Kanäle informiert und schließlich zu einer Bewerbung bewegt. Sich für eine Bewerbung zu entscheiden, muss manchmal gut überlegt sein. Retargeting spielt dabei eine entscheidende Rolle. So wie im E-Commerce potenzielle Kunden, die bereits Interesse gezeigt haben, erneut angesprochen werden, können auch im Recruiting interessierte Kandidaten durch gezielte Nachverfolgung und erneute Ansprache zur Bewerbung motiviert werden. 

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Funneloptimierung. Jeder Schritt im Bewerbungsprozess muss so gestaltet sein, dass er die Konversion fördert. Eine gut gestaltete Landingpage sollte klar und ansprechend sein und alle relevanten Informationen bieten. Inhalte müssen prägnant und überzeugend sein, um das Interesse der Kandidaten zu halten. Die Geschwindigkeit des Prozesses spielt ebenfalls eine große Rolle. Ein zu langer oder komplizierter Bewerbungsprozess kann potenzielle Kandidaten abschrecken. Daher sollte der Bewerbungsprozess so schnell und reibungslos wie möglich gestaltet werden, mit einer minimalen Anzahl von Klicks und Formularfeldern. Jede Hürde im Prozess kann die Konversionsrate negativ beeinflussen. Ein kontinuierliches Monitoring und die Optimierung der einzelnen Schritte sind unerlässlich, um den Recruiting-Funnel effizient und effektiv zu gestalten. 

Content ist King 

Ist Ihr Unternehmen der “Employer of Choice”, der Wunscharbeitgeber?  

Wie im Marketing ist auch im Recruiting der Inhalt entscheidend. Authentische Einblicke in den Arbeitsalltag, Erfahrungsberichte von Mitarbeitern und spannende Geschichten über das Unternehmen sind Inhalte, die potenzielle Bewerber anziehen und daher wesentlicher Bestandteil der Job-Anzeigen sein müssen.  

Dabei gilt, dass Inhalte klare und ansprechende Botschaften vermitteln müssen, ähnlich wie in der Werbung. Ein gut gestalteter und zielgerichteter Inhalt kann den Unterschied ausmachen, ob ein potenzieller Kandidat sich für Ihr Unternehmen interessiert oder nicht. Das Design spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Visuell ansprechende Inhalte, die gut strukturiert und professionell gestaltet sind, erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Botschaft wahrgenommen und positiv aufgenommen wird. Ähnlich wie bei Werbekampagnen müssen auch Recruiting-Inhalte prägnant und einprägsam sein, um im Gedächtnis der Zielgruppe zu bleiben. 

Ein weiterer wesentlicher Unterschied besteht zwischen organischen und bezahlten Inhalten auf Social Media. Organische Inhalte sind Beiträge, die Unternehmen ohne finanzielle Förderung veröffentlichen. Diese Inhalte müssen besonders fesselnd und relevant sein, um in der Flut von Informationen nicht unterzugehen. Die Aufmerksamkeitsspanne der Nutzer ist hier oft kürzer, da sie schnell durch ihren Feed scrollen. Bezahlte Inhalte hingegen profitieren von gezielter Platzierung und erhöhter Sichtbarkeit. Sie können durch Targeting spezifische Zielgruppen ansprechen und so die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Botschaft ankommt und zur gewünschten Aktion führt. 

Schaut man sich aktuell den Großteil der Recruiting-Anzeigen in den sozialen Medien an, sehen alle ziemlich gleich aus, alle mit dem notwenigen Funken an Gleichgültigkeit erstellt und heben sich daher in keiner Weise voneinander, geschweige denn von allem sonstigen unnützen Inhalten ab. 

Der Einfluss von Technologie 

Technologische Innovationen haben das Recruiting revolutioniert. Künstliche Intelligenz, Chatbots, WhatsApp und automatisierte Bewerbungsprozesse sind nur einige Beispiele dafür, wie Technologie das Recruiting effizienter und effektiver macht. Diese Tools ermöglichen es Recruitern, sich auf die strategischen Aspekte ihrer Arbeit zu konzentrieren, während repetitive Aufgaben automatisiert werden. 

Fazit 

Die Grenzen zwischen Marketing und Recruiting verschwimmen zunehmend. Unternehmen, die in der Lage sind, diese beiden Disziplinen zu integrieren und eine starke, konsistente Arbeitgebermarke aufzubauen, werden die Gewinner im Wettbewerb um die besten Talente sein.  

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